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[Regen in Afrika] [Eine Senegalesiche Geburtstagsparty] [Eine kleine Hundegeschichte] [Hammel, Hammel,Hammel...][Auf den Strassen von Dakar...][Amoul Solo!][Afrikanischer Alltag][Zwischen zwei Welten][Scooter, Scooter,...]
von Ruth Isenschmid

Afrikanischer Alltag
Alltag in Senegal ist gekennzeichnet von Kontroversen. Hier ist alles möglich, alles hat nebeneinander oder miteinander Platz. Vieles, was ich heute kaum noch beachte, muss für ungewohnte Augen und Ohren sehr exotisch sein. Das Leben ist durch eine grosse Kreativität und Spontanität gekennzeichnet. Auch die Offenheit und Herzlichkeit der Leute auf der Strasse ist immer wieder eindrücklich. Da bittet mich eine kleine Bettlerin mit hungrigen Augen um ein Almosen. Gerade vorhin hatte ich meine letzten Münzen vergeben, so dass ich ihr sagen muss: tut mir leid, das nächste mal. Sofort erhalte ich ein strahlendes Lächeln und ein Danke, obwohl ich ihr doch nichts gegeben habe. An der Strassenecke kaufe ich Zigaretten. Während ich zahle, drückt sich ein Talibé um den Kioskstand herum. Als ich weiter will, hält er mir seine Hand entgegen. Ich gebe ihm ein Bonbon. Er lächelt und dankt, obwohl er sicher ein Geldstück vorgezogen hätte. Dies muss er jedoch seinem Marabou abliefern, so dass ich ihm lieber etwas zum Naschen gebe, das kann er sofort in den Mund stecken und selber konsumieren. Manchmal kaufe ich auch eine Banane oder etwas Brot. Dann haben diese kleinen Kerle wenigstens etwas im Magen. Dakar ist voll von Bettlern, welche überall anzutreffen sind. Im Laufe der Zeit bin ich zu meinen Lieblingsbettlern gekommen. Sie winken mir schon von weitem zu, lachen und fragen wie es mir geht, auch wenn ich ihnen an diesem Tag nichts gebe. Sie wissen, dass sie ab und zu etwas erhalten. Die andern akzeptieren, dass ich die "Toubab" des Kollegen bin. Dieses System funktioniert gut. Sie grüssen mich trotzdem herzlich und lachen mir zu. Dann meine Freundin auf der Kreuzung bei der "Porte des Nouvelles Millénaires", die dort immer in ihrem Rollstuhl bettelt. Ob ich nun im Taxi oder im eigenen Wagen fahre, sie macht mich schon von weitem aus und winkt mir zu. Wenn das Signal auf Rot steht, gibt sie ihrem Rollstuhl die Sporen und rast auf mich zu, um mir guten Tag zu sagen und auch ab und zu etwas Geld zu erhalten. Sie ist aber nie böse, wenn ich ihr nichts gebe. Kürzlich zeigte sie mir die Pneus ihres Rollstuhls. Sie fuhr beidseits auf den Felgen. Ich begriff, dass es sehr mühsam sein musste, auf solchen Rädern überhaupt vorwärts zu kommen. Zum Glück habe ich Freunde, die einen Scooter-Laden ganz in der Nähe haben. Ich fragte sie, ob sie meiner Freundin neue Pneus montieren könnten. Kein Problem. Der Mechaniker holte die Frau und montierte ihr sofort neue Pneus mit neuen Schläuchen. Selbstverständlich bezahlte ich das Ganze zum Schluss. Hätte ich ihr jedoch das Geld gegeben, hätte sie es bestimmt nicht für neue Pneus verwendet. Mit der Versicherung, für mich zu beten, fuhr sie glücklich davon. Bemerkenswert, wie diese armen Leute immer guter Laune sind, lachen können und sich scheinbar nicht verdriessen lassen. Daneben gibt es andere Szenen: Ich sitze auf der Terrasse des renommierten "Café de Rome" und genehmige mir eine Erfrischung. Kaum sitze ich an meinem Platz, als ein starker Platzregen vom Himmel fällt. Herrlich, es kühlt so richtig schön ab! Die Security, die vor dem Restaurant für den Parkplatz zuständig sind, bewaffnen sich mit Schirmen. Die neuankommenden Gäste werden nun unter dem Schirm in Empfang genommen und sicher und einigermassen trocken von ihrem Wagen zum Eingang begleitet. Wie Könige! Welch ein Service! Auch sonst ist in diesem Lokal alles auf Luxus eingestellt. Schön gedeckte Tische, Kellner und Kellnerinnen, die sich gegenseitig auf die Füsse treten, so viele sind es. Damit der Gast auch von hinten bis vorne bedient werden kann. Dafür sind die Preise auch entsprechend. Luxus ist halt überall auf der Welt teuer. Hier findet man Lasagne, Tiramisu, Basilikumtomaten mit Mozzarella und Vitello Tomato (sollte eigentlich Vitello Tonnato heissen) auf der Speisekarte, gekocht nach guter Italienischer Art. Eine Abwechslung im Reigen der sonstigen Luxusrestaurants, die eher französische Küche anbieten. Auch ein Abstecher in eines der Luxushotels lohnt sich. Tritt man durch den Eingang dieser Etablissements findet man sich sofort in einer andern Welt wieder. Zurückgelassen hat man draussen die Bettler, den Lärm und den Schmutz auf den Strassen. Hier findet man sich im angenehmen Dämmerlicht der klimatisierten Lobby des Hotels wieder. Gedämpfte Stimmen, Personal das dienstbeflissen in Uniformen bereitsteht, die dezent beleuchtete Hotelbar, die mit ihrem auserlesenen afrikanischen Dekor ein wenig daran erinnert wo man sich befindet. Alles in allem ein Ambiente, das es überall auf der Welt anzutreffen gibt, eben Luxushotels. Luxus gibt es nicht wenig hier in Dakar. Er ist um so sichtbarer, als die Armut ebenfalls sehr gross ist. In gewissen Quartieren finden sich Villen, die eher an Paläste erinnern. In jedem Stil, und in jeder Bauweise. Mit Marmor, Säulen, Pool, grossen Gärten, Luxuskarossen, umzäunt von hohen Mauern, vor dem Tor ein bis mehrere Wächter, die Tag und Nacht die Bewohner und das Haus bewachen. Diese Villen sind oft so pompös gebaut, dass sie richtig hässlich aussehen. Traurig dabei, dass hier sichtbar wird, was korrupte Beamte und Regierungsmitglieder sich in die Tasche gesteckt haben. Hier wird sowieso gerne gezeigt was man hat, wie in vielen Entwicklungsländern. Je pompöser, um so besser. Wuchtige Paläste, wuchtige Möbel, wuchtige Autos, pompöse Kleider, Schmuck, Frisuren. Sich zur Schau stellen, sich schmücken ist eine grosse Vorliebe der Menschen hier. Dabei finde ich manches bewundernswert. Die Hausfrau, die tagsüber gebückt den Boden gewischt oder mit dem Mörser gearbeitet, die Wäsche von Hand gewaschen hat oder sich im Getümmel des Marktes mit Lebensmitteln eingedeckt hat, tritt nach einer ausgiebigen Dusche nach 17h00, gekleidet und geschmückt wie eine kleine Königin vor das Haus um einen Schwatz mit der Nachbarin zu halten. Desgleichen die Männer. Wunderschön anzusehen in ihren farbigen Boubous. Selbst aus den ärmlichsten Hütten treten abends festlich geschmückte Menschen. Die Kehrseite der Medaille: Oft wird lieber Stoff gekauft, als ein Medikament für ein krankes Kind. Sehr eindrücklich sind die Hochzeiten oder die Taufen. Man kommt sich vor wie auf einem königlichen Empfang. Bei diesen Gelegenheiten wird oft Geld über die Verhältnisse ausgegeben. Manche Familien sind danach praktisch bankrott. Bis heute ist es eine Schande, wenn das Fest nicht grossartig und üppig ausfällt. Es gibt kaum Schlimmeres, als die Nachrede der Nachbarn, dass die Familie für das Fest knauserig gewesen ist. Ein weiterer Brauch hat mich sehr beeindruckt: Es gilt als ein ungeschriebenes Gesetzt, dass niemandem Essen verweigert wird. Kommt ein Gast zur Mittagszeit zu Besuch wird er geradezu genötigt mitzuessen. Bettler, die an die Türe klopfen, erhalten die Resten der Malzeiten. In Familien, denen es gut geht wird immer mehr gekocht, als nötig. Für eine Hausfrau ist es beschämend, wenn sie bei unverhofften Gästen nicht genug gekocht hat. Nachdem die Familie gespeist hat, werden die Talibé und die Bettler gerufen. Hier geht nichts an Nahrungsmitteln verloren. Was übrig bleibt wird an die Armen verteilt. Braucht jemand einen speziellen Beistand von Gott, lässt er eine Malzeit für die Armen in seinem Quartier kochen. Dies sichert ihm den göttlichen Segen und den Eintritt ins Paradies. Alles Essbare wird mit allen geteilt. Dies hat zur Folge, dass in diesem Land kaum jemand Hungers stirbt. Für mich ist es heute selbstverständlich, dass auch ich entsprechend handle. Bei der grossen Armut in diesem Land ist es tröstlich, wenigstens etwas Weniges tun zu können, um das Elend zu mildern. Dann musste ich lernen, dass Sachen, die ich als Abfall betrachte, für andere noch verwertbar sind. So habe ich nun Schachteln, in die ich leere Flaschen, Konservendosen, Karton, Papier etc. gebe, die mein Gardien dann weiterverteilt. Wenn Gäste alte T-Shirts, Schuhe, halbleere Duschmittel, Zahnpasten oder Seifen im Zimmer zurücklassen, wird es immer weitergegeben. Eine andere Art von Recycling. Zum Glück habe ich mein Personal, das ich fragen kann, ob etwas noch gebraucht werden könnte, wenn ich unsicher bin. Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Um die Sicherheit vor dem Haus zu erhöhen, habe ich eine gute Beleuchtung angebracht. So ist die Strasse vor meinem Haus nachts nun hell erleuchtet. Nach ein paar Tagen staunte ich über die vielen Autos, die plötzlich in der Nacht im Bereich des Lichtes parkiert waren. Dann begriff ich: der Mann von gegenüber hatte Pfiffigerweise kurzerhand aus der Strasse ein bewachtes Parking gemacht, kassiert nun Parkwächtergebühren und profitiert so von der Toubab-Nachbarin. Nach einigem Hin und Her sind wir uns nun insofern einig geworden, dass unsere eigenen Autos garantiert Platz vor dem Haus finden, und dass die Autos der Gäste Priorität haben, jedoch für die Bewachung bezahlen. Denn nach hiesiger Mentalität ist es nicht etwa die Toubab, die das Licht installiert hat und den Strom bezahlt, was dem Mann zu dieser Einnahmequelle verhilft. Weit gefehlt! Das ist Allah, der die Toubab hierher gebracht hat, damit sie das Licht installiert und den Strom bezahlt. Daher ist es das alleinige Recht dieses Mannes, das von Allah kommende Geschenk zu nutzen. Die Toubab selber muss für das Autobewachen selbstverständlich bezahlen. Alles klar?
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Regen in Afrika
Regen in Afrika, Regen in Dakar, Regen am Atlantik, ein Spiel der Elemente, der Urgewalten......
Zuerst beginnt der Himmel sich zu verschleiern, dann erheben sich schwere, rabenschwarze Wolken über dem Meer. Sie rollen schnell heran. Das Wasser des Meeres verändert die Farbe plötzlich. Von wunderschönem Meerblau wird es erst grün, grau, dann sogar schwarz. Und das mitten am Tag! Die Wellen erheben ihre Stimmen und rauschen alles übertönend. Dann der Wind, starke, heftige Stösse, unmittelbar bevor sich die Schleusen des Himmels öffnen. Wer jetzt noch nicht in Sicherheit ist, wird bestimmt patschnass. Die Menschen rennen dem nächsten Unterstand zu, ihre langen, weiten Gewänder flattern im Wind. Es sieht aus, als würde deAuf den Strassen von Dakar...r Wind sie davon tragen. Farbige Flecken im  schwarz-grauen Licht. Wie die Blätter im Herbst bei uns. Erste Blitze zucken über den schwarzen Himmel, der Donner grollt mächtig, rollt über das Meer davon. Dann platzt der Regen herunter. Es ist, als ob sich alle Schleusen des Himmels gleichzeitig öffnen. In Sekunden bilden sich riesige Wasserpfützen überall. Rinnsale entstehen, die zu Bächen anschwellen, die Strassen verwandeln sich in kleine Flüsse. Ein dichter Vorhang aus Wasser verhindert eine weite Sicht. Kinder und junge Erwachsene rennen durch den Regen, tanzen, lachen und freuen sich. Gedrängt stehen andere in den Unterständen oder an den Fenstern, bestaunen das Spiel der Elemente. Geduldig wird gewartet, bis der Regen nachlässt. Nach 15-30 Min. ist es soweit. Der Himmel hellt sich wieder auf und der Regen verliert an Kraft. Auch der Wind hat sich beruhigt. Langsam kommen die Menschen aus ihren Häusern. Die arme Familie von gegenüber, die in einem noch nicht fertig gebauten Haus ohne Wasser und Strom wohnt, kommt vor mein Haus. Dort prasselt das Wasser aus der Abflussrinne der Terrasse wie ein Wasserfall herunter. Die Kinder stellen sich darunter, lachen und nehmen eine erfrischende Dusche. Die Frauen kommen mit Plastickbecken und füllen diese, damit sie die Wäsche waschen können. Es herrscht Freude und Uebermut. Auf meiner Terrasse hat sich so viel Wasser angesammelt, dass es noch mindestens eine halbe Stunde geht, bis die Abflussrinne versiegt. Auch die Talibée von gegenüber kommen, waschen sich, ihre Eimer und ihre Kleider. Die Kinder klatschen, singen, tanzen. In meiner Strasse an jeder Abflussrinne ein kleines Fest. Bald schon ist der Himmel wieder klar und die Sonne kommt mit ihrer ganzen Kraft hervor. Innert weniger Stunden hat sie das
Wasser aufgesaugt, der Sand ist wieder trocken und weht in der leichten Briese davon. 
Es regnet nun regelmässig seit etwa einer Woche. Ich staune, wie schnell das Grün spriesst. Der Strand beginnt sich mit einem feinen Grasbelag zu überziehen, es wird überall grün. Das tut meinen Augen wohl, habe ich doch das satte Grün der Schweiz mitunter vermisst. Ich stehe still und sehe mich daran satt. Auch sonst spriessen die Pflanzen mit Macht. Aus dem sonst trockenen, sandigen Senegal wird ein grünes Paradies. Ueberall spriessen die Blumen und Blüten. Farben und Grün überall.
Wunderschön!!!
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Eine Senegalesiche Geburtstagsparty
Dies ist ein Geburtstagsfest à la sénégalaise:
Begonnen hatte es damit, dass ich ein paar Freunde zu einem Znacht am Sonntagabend einladen wollte. Von Lamin erhielt ich die Zusage sofort, worauf er uns im gleichen Atemzug zu einer Geburtstagsfeier am Samstagabend einlud. Gerne nahme ich die Einladung an. Dann am Samstag ein Tel. von Lamin. Es tue ihm furchtbar leid, er habe sich im Tag geirrt, der Geburtstag der Schwester seiner Freundin sei ebenfalls am Sonntag und ob wir nicht da hinkommen wollten und die Einladung verschieben könnten, da das andere von mir eingeladene Paar ebenfalls zum Geburtstag kommen sollte. Kein Problem, verschieben wir die Einladung also. Ich freute mich auf die Geburtstagsparty, welche am Strand stattfinden sollte. Wir sollten um 18.00Uhr dort sein, damit wir noch bei Tageslicht grillieren könnten. 
Gesagt, gemacht. Um 18.30Uhr kamen wir am entsprechenden Strand an. Abou hatte seine Instrumente  mitgenommen, da die Musiker am Strand trommeln wollten. Der Strand war noch voller Leute, die den Tag am Meer verbracht hatten. Unsere Freunde waren nicht zu sehen. Wir suchten den Strand ab. Da kam Gaby auf uns zu. Er trug sein Ballafon auf dem Rücken. Noch niemand da? Nochmals suchten wir den Strand ab, der sich langsam zu leeren begann. Nichts, niemand zu sehen. Wir gingen zu der kleinen Bar, welche am Strand lag. Dort begannen Abou und Gaby auf ihren Instrumenten zu spielen. Bald schon kam ein weiterer junger Musiker hinzu. Gemütlich mit einem gekühlten Getränk in der Bar sitztend, genoss ich dieses spontane Konzert. Ballafon, Bolong, und Bass. Durch die Musik angelockt begann sich die Bar langsam zu füllen. Die Leute begannen mitzusingen, zu klatschen und
zu tanzen. Der Besitzer der Bar spendierte den Musikern ein Getränk und ermunterte sie, weiterzuspielen. Ein kleines Fest entstand spontan. Von unseren Freunden keine Spur........
Bei mir dachte ich, wenn der Geburtstag ein Flopp werden sollte, habe ich wenigstens dieses kleine Fest genossen. Die Dämmerung brach an, langsam wurde es dunkel. Abou und Gaby beendeten ihre Darbietung, inzwischen war es vollends dunkel geworden. Unsere Freunde waren immer noch nicht gekommen. Wir überlegten uns bereits, wieder nach Hause zu gehen, als Lamin schwer beladen mit Plasticsäcken und ausser Athem erschien. Im Schlepptau seine Freudin, deren Schwester, das Geburtstagskind und weitere Leute. Grosses Hallo, kilometerlange Entschuldigungen, dann Beratung, wo die Pary nun steigen sollte. Dafür musste jedoch erst mal die Bewilligung im Dorf beim Strand eingeholt werden. Plötzlich waren alle, bis auf das Geburtstagskind und die Freundin von Lammin verschwunden. Wieder warten, lange warten. Der Strand war inzwischen leer geworden. Dann endlich kamen sie zurück und wir konnten zu einem Platz mit kleinen, jetzt leeren Verkaufsbuden gehen. Inzwischen hatte sich Gaby, der sowieso ohne seine Freundin gekommen war, wieder verabschiedet. Mit ihm verschwand auch das
Ballafon, schade.....
Nun wurde unser Paryplatz in Windeseile eingerichtet. Leider fehlte Licht. Es war total dunkel. Ein Feuer! Aber wo das Holz hernehmen? Einige Männer verschwanden und kehrten Minuten später mit Armen voller Holz zurück. Bald schon wurde unser Platz von einem warmen Lagerfeuer erleuchtet. Inzwischen grillierte Lamin die Fische auf dem mitgebrachten Grill. Kaum 30 Minuten nachdem wir den Platz besetzt hatten, bekam ich auch schon einen Teller mit Salat, Brot und Fisch gereicht. Genussvoll begann ich meinen inzwischen knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen. Zum Dessert bekam jeder sogar ein winziges Stück Geburtstagstorte.
Auf diese Weise die Mägen gefüllt, begannen die Musiker nun zu trommeln. Da Gaby bereits nach Hause gegangen war, spielten Abou mit dem Bass und Lamin die Djembe. Die Frauen begannen zu tanzen. Ich betrachtete die Szene: Sandstrand, die leisen Wellen des Meeres, das Lagerfeuer und die schwarzen Menschen darum herum, tanzend klatschend und singend. Inzwischen war der Mond aufgegangen. Vollmond, welcher alles in ein silbriges Licht hüllte. Die Trommelklänge lockten die Leute aus dem Dorf an. Junge Burschen mit weiteren Djembes, die das Orchester vergrösserten. Die Dynamik begann zu steigen, die Rythmen wurden schneller und lauter. Die Körper der jungen Frauen begannen sich wild und exstatisch zu bewegen. Arme, Beine flogen hoch in die Luft, dazu schrille Schreie, Klatschen, welche die Tänzerinnen anfeuerten. Dann plötzlich ein riesen Sprung eines jungen Mannes in
die Mitte des Kreises, sein Tanz wild und schnell. Die rythmischen Schreie und das Klatschen steigerten sich. Ich hatte das Gefühl, von der Dynamik fortgetragen zu werden, inmitten der Trommelklänge zu schweben, über mir der Mond, zu meinen Füssen der Sand und das Wasser. Dann ein Break, der das Stück beendete. Athemlos standen die TänzerInnen herum, lachten und scherzten. Es wurde geplaudert, etwas getrunken. Einer der Musiker begann auf seinem Instrument mit einem neuen Rythmus, andere fielen ein, die Spannung steigerte sich, bis ein weiterer Break das Ende setzte. In einer Pause dann begeisterte Rufe: Die Kora kommt!
Und richtig, der Koraspieler des Dorfes kam langsam auf unsere Gruppe zu. Nun wurde die Musik etwas leiser gespielt. Die warmen Klänge der Kora schwebten bis zum Mond hinauf, dazu die leisen Gesänge der Versammelten, begleitet von sanften Rythmen der Trommeln. Eine andere Dynamik entstand: romantisch, wehmühtig, bluesig. Die Tänzerinnen hatten sich erschöpft in den Sand gesetzt, ein Kreis um das Feuer. Dann die ersten, die sich verabschiedeten, der Abend verklang, die Musik entschwebte sanft mit den Klängen des letzten Liedes.........
Geburtstag auf senegalesisch oder es wird schon alles richtig kommen, inshallah.......
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Eine kleine Hundegeschichte
Eines Morgens, als ich vor mein Haus trat, fand ich unter dem Auto ein kleines Hundebaby. Vielleicht 4-6 Wochen alt. Es war völlig verdreckt, bedeckt von Läusen und wies zahlreiche kleine Verletzungen auf. Es schien jedoch gut genährt zu sein und war ein kräftiger kleiner Welpe. Als ich ihn untersuchte, zeigte er keinerlei Scheu oder Angst vor meiner Hand. Mir fiel nur seine Apathie auf. Er reagierte kaum auf meine Untersuchung, liess alles über sich ergehen. Die Farbe seines Fells war goldbraun soweit ich das unter dem Dreck feststellen konnte. Sami, mein Gardien meinte, dass ihn wohl jemand in der Nacht ausgesetzt hätte und er herumgeirrt sei.
Kurzentschlossen nahm ich ihn ins Haus und verpasste ihm erst mal eine Dusche mit Seife und Wasser. Jämmerliches Gefiepe, dann begann der kleine Kerl zu zittern, hatte offensichtlich kalt. Doch eingewickelt in ein altes Frotéetuch schlief er bald darauf auf meinem Schoss ein. Dabei grunzte er leise vor sich hin. Später gab ich ihm dann Milch und etwas zu fressen. Er war völlig ausgehungert und frass an diesem Tag kleine Mengen. Auch schlief er stundenlang in der Kartonschachtel, die ich mit einem alten Leintuch ausgelegt hatte. 
Sollte ich ihn behalten? Ich könnte einen Hund gut gebrauchen, da er die Sicherheit des Hauses noch einmal beträchtlich erhöhen würde. Ich wollte es mir überlegen, wusste ich doch, was es heisst, einen Welpen gross zu ziehen. Ausserdem war er noch viel zu klein, um von seiner Mutter getrennt zu werden, brauchte viel Körperkontakt und Aufmerksamkeit. Das erste Problem stellte sich am Abend. Wohin mit dem Hundebaby? Das Haus war voller Gäste, der Hund noch nicht stubenrein. Ich suchte eine grosse Schachtel, stellte sein Schlafkistchen hinein und dann platzierte das Ganze vor meine Schlafzimmertüre. Unter das Leintuch versteckte ich eine Flasche, gefüllt mit heissem Wasser, denn es wurde Nachts empfindlich kalt. So hoffte ich, dass ich doch einigermassen zu meinem Schlaf kommen konnte. Doch weit gefehlt! Erst wollte er um keinen Preis in der Kiste bleiben, wollte spielen und herumrennen. Sobald ich mich entfernte, begann er zu fiepen. Meine Gäste wollten schlafen. Also blieb
mir nichts anderes übrig, als eine geschlagene Stunde mit dem Welpen zu spielen. Dann wurde er müde, schlief friedlich in seiner Kiste ein. Nach 2 Stunden war jedoch schon wieder Radau vor meiner Türe.... Nun, Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich in dieser Nacht kaum ein Auge zugetan hatte. Morgens musste ich dann wieder um 7h30 aus den Federn, freudig von meinem kleinen Hundebaby begrüsst. Das Frühstück für die Gäste bereitete ich mit dem Welpen zwischen meinen Füssen, der heute bereits viel lebendiger und aufgeweckter wirkte. Er folgte
mir überall hin. Wollte spielen und gehätschelt werden. Ein kleiner, süsser Wicht, der frech zwischen seinen Schlappohren in die Welt schaute. Als nächstes musste er entlaust werden. Auch diese Prozedur liess er über sich ergehen. Inzwischen hatte er bereits ausgiebig das ganze Parterre des Hauses erkundigt und begann die Pflanzen zu zerzausen, in den Blumentöpfen zu graben, die Fussableger vor den Zimmern mit den Zähnen zu bearbeiten. Er hatte je länger je mehr nur Flausen im Kopf. Spass machte es ihm auch, hinter den Füssen herzurennen und in die Zehen und Schuhe zu beissen. Wie oft stolperte ich in der Folge über ihn, weil er von hinten angerast kam und zwischen meine Füsse geriet. Am späten Nachmittag nahm ich ihn dann mit zum Strand. Ich wollte ihn müde machen, in der Hoffnung, die folgende Nacht schlafen zu können. Doch weit gefehlt! Auch in der zweiten Nacht machte ich
kaum ein Auge zu. Am andern Tag war ich dann so müde, dass ich meinem Gardien erklärte, dass ich den Hund nicht behalten könne. Das Haus voller Gäste, von morgens bis abends Arbeit und Nachts mit dem Hund spielen, dass war zu viel. Sami meinte, dass er den Hund ja zu sich in sein Zimmer nehmen könne. Gut, ich wollte es versuchen. Als ich dann um 5h00 auf die Toillette wollte, kam mir der Kleine freudig entgegen gerannt. Sami hatte ihn kurzerhand aus dem Zimmer gesperrt und liess ihn unbewacht herumrennen, wobei der kleine Lausebengel natürlich wieder nur Schabernack getrieben hatte. Wieder spielte ich lange mit dem Welpen, bis er müde
wurde und einschlief.  In den folgenden Tagen gewöhnte er sich immer besser ein, folgte mir auf Schritt und Tritt, erfreute tagsüber auch meine Gäste, welche den Hund süss fanden. Er begann bereits zu begreifen, dass er nicht in die Küche kommen durfte, setzte sich vor der Türe hin, hielt den Kopf schief und beobachtete, wie ich sein Fressen zubereitete. Wenn ich nicht aufpasste, schlich er sich vorsichtig und spitzbübisch an und versuchte die Küche zu erkunden. Ein lautes "Pschttt" scheuchte ihn jedoch wieder vor die Türe, wo er sich hinsetzte und bellte, als wolle er sagen: ist ja schon gut, habe verstanden. Mit der Zeit entdeckte er auch, wie er die Treppe in den 1.Stock hinaufkam. Nun wurden die Schuhe vor meiner Türe attakiert. Er begann Spaziergänge bis auf die Terrasse zu machen. Erkundigte das ganze Haus. Nichts war mehr vor ihm sicher. Ich bat die Gäste, die Türen immer zu zu machen. Stolz stand er neben einem Stofflappen, den er sich irgendwo geschnappt und bereits völlig zerfleddert hatte. Als wolle er sagen: das habe ich gut gemacht, nicht wahr? Auch begann er mit Leidenschaft hinter dem von meinem Freund gekauften Vollgummiball herzujagen, wurde ein richtiger Champion im Ballspielen. Nach einigen Tagen war er ein vorwitziger, frecher kleiner Kerl, der sich in Scene zu setzten wusste und der Mittelpunkt des Hauses war. Ich begann den Welpen gern zu haben. Doch war ich inzwischen so übernächtigt, dass ich nur einen Wunsch hatte: schlafen, schlafen, schlafen. Dann, nach einer Woche, schlief ich so fest, dass ich den Radau, den er machte nicht mehr hörte. Sami, mein Gardien, schlief wie immer den Schlaf der Gerechten. Nun waren es meine Gäste, welche kein Auge zumachten. Einige waren verärgert, andere lachten darüber. Mir war die ganze Sache recht peinlich. Schweren Herzens entschloss ich mich, ein neues Herrchen für den Welpen zu suchen. Ich bat Sami an diesem Morgen, jemanden zu finden. Bereits nach einer halbe Stunde stand ein Senegalese vor der Haustüre, welcher einen Hund brauchte. Ich verabschiedete mich traurig von meinem kleinen Schlafproblem und hoffe nun, dass er ein gutes Zuhause gefunden hat. 
Noch heute denke ich oft an mein Hundebaby, für das ich noch nicht mal einen Namen gefunden hatte. Wie es ihm wohl geht? Hat er ein gutes Zuhause gefunden? 
 Bereits 3 Tage später fand ich dann zwei süsse Katzenbabys vor meiner Türe. Ich werde mich jedoch hüten, die Tiere ins Haus zu nehmen. Katzen und Hunde gibt es überall in den Strassen. Ich habe ein Herberge für Touristen und kein Tierheim. Leider.........
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Hammel, Hammel, Hammel...
Tabasqui ist das grosse, moslimische Fest, an dem in jedem Haus ein Hammel geschlachtet wird. Bereits Wochen vor dem Fest füllen sich die Strassen und Plätze von Dakar mit Schafen. Ueberall wird gefeilscht und diskutiert. In den Strassen junge Männer, welche ihr Schaf nach Hause ziehen, auf den Dächern der Busse, in den Kofferräumen der Autos Schafe, Schafe wo das Auge auch hinschaut. Dazwischen die fliegenden Händler, welche ganze Messersets zum Verkauf anbieten. Etwas mulmig wird einem bei diesem Anblick zumute, so viele Messer, welche in diesen Tagen in den Strassen von Dakar zirkulieren....
Bei mir in der Nachbarschaft vermehrt sich das Geblöcke rundherum. Kein Haus, das nicht ein Schaf im Hof stehen hat. Nur die arme Familie, die in der Bauruine von gegenüber wohnt, hat noch kein Schaf. Vor 4 Wochen wurde ihnen der dritte Sohn geboren, was natürlich ein grosses Fest gab. Nun sieht es so aus, als müsste die Familie ohne Schaf Tabasqui feiern. Doch sie haben Glück. Sie haben den kleine Neugeborenen auf den Namen meines Freundes getauft. Dieser lässt es sich nicht nehmen und kauft der Familie 2 Tage vor dem Fest einen Hammel. Grosses Händeklatschen, Danksagungen, es wird für uns gebetet, dass Gott uns viel Erfolg und Glück zukommen lässt. 
Auch Sami, mein "Gardien" kommt ca. zwei Monate vor Tabasqui mit einem Schaf daher. Stolz und glücklich erklärt er mir, dass er es für seine Mutter gekauft hat, dass es jedoch eine Ueberraschung sein soll. Ich erlaube ihm, das Schaf auf die Terrasse zu bringen, sofern er es sehr sauber hält und meine Gäste nicht gestört werden. Die ersten 2 Tage blöckt der arme Hammel viel und jämmerlich. Sami verbringt viel Zeit damit, auf seiner Matte neben dem Hammel zu sitzen. Nach den ersten Tagen hat sich unser neues Familienmitglied eingewöhnt. Vor allem auch, weil Sami sich rührend um ihn kümmert und die meiste Zeit des Tages neben ihm sitzt. Bald herrscht ein stilles Einvernehmen zwischen den Beiden. Es sieht so aus, als würden sie sich ohne Worte genau verstehen. Anfänglich war der Hammel ein etwas trauriger Anblick. Er hatte nicht gerade viel Fett auf den Rippen und sah recht
unscheinbar aus. Durch die gute Pflege und vor allem das gute Futter, das Sami ihm jeden Tag vorsetzt, beginnt er jedoch immer stattlicher zu werden. Auch ich freunde mich mit dem Tier an. Wenn ich auf die Terasse komme, kraule ich ihm den Kopf. Mit der Zeit hält er mir den Kopf hin und gibt keine Ruhe, bis ich ihn gekrault habe. Er beginnt kleine Spielchen zu machen, stösst mich sanft mit seinem Kopf, macht kleine Sprünge. Die Männer beginnen mit ihm zu "boxen", was ihm sichtlich Spass macht. Als ich dann meinen kleine Hundewelpen zu Gast habe, nimmt ihn Sami mit auf die Terrasse. Der Hammel beäugt den Welpen neugierig. Dann reagiert er eifersüchtig. Er versucht möglichst nahe heranzukommen, sich auf die Matte von Sami zu setzten, blöckt und ist so richtig aufgeregt. Als wolle er sagen: He, ich bin auch noch da, kümmert Euch gefälligst um mich! Wir lachen über die Kapriolen,
die er macht, um sich in Scene zu setzten. Manchmal nimmt Sami den Hammel von der Terrasse herunter und setzt sich mit ihm und dem Welpen vor die Türe. Wenn ich dann von der Stadt komme, finde ich meinen Gardien mit der ganzen Menagerie vor dem Haus, umringt von den Kindern der Nachbarschaft. 
Einmal in der Woche ist Waschtag. Sami schleppt Eimer mit Wasser auf die Terrasse und seift den Hammel gründlich ab. Danach strahlt dieser dann so richtig in seinem weissen Fell. Tabasqui kommt immer näher, der Hammel wird immer runder. Dann kommt der Tag, an dem Sami ihn zu seiner Mutter bringt. Einer seiner kleinen Brüder holt das Tier ab. An diesem Tag ist Sami zufrieden und strahlt wie ein Weihnachtsbaum. Er ist sichtlich stolz, dass er seiner Mutter dieses Geschenk machen konnte. Seit Jahren ist es das erste Mal, dass er ihr einen Hammel kaufen konnte. Am Morgen des Festes denke ich an den Hammel, der jetzt wie tausende andere geschlachtet wird. Abends kommt Sami mit einer grossen Plastiktüte zu mir. Etwas verlegen überreicht er mir einen ganzen Schenkel des eben verstorbenen Familienmitgliedes. Seine Mutter sende mir dies als Dank. Sie hat auch gleich noch
Kartoffeln, Zwiebeln, Maggiwürfel und Karotten beigelegt, so dass ich alles für die Zubereitung da habe. Gerührt nehme ich das schöne Fleisch entgegen. Das wird uns in den nächsten Tagen einen tollen Braten geben. 
Ja, Tabasqui ist wirklich ein ganz besonderer Tag in diesem Land. Am Morgen gehen die Leute zuerst in die Moschee um ihre Gebete zu verrichten. Danach werden die Schafe in jedem Haus geschlachtet und das Fleisch zerlegt. Ein grosser Teil davon wird sofort auf den Grill gelegt. An diesem Tag ernähren sich alle von gegrilltem Hammelfleisch. Vor jedem Haus in meiner Strasse ein grosses Loch im Sand, in das die Innereien und das Blut gelegt wird. Danach werden die Löcher wieder zugeschüttet. Den ganzen Morgen über kaum Leute auf der Strasse, alles ist still und ruhig. Aus den Häusern steigen Rauchfahnen auf, das Fleisch ist auf dem Grill. Ein würziger Duft liegt über dem ganzen Viertel. Ich steige auf die Terrasse und kann von dort in den Höfen und den Dächern zusehen wie die Nachbarn die Hammel zerlegen. Es wird konzentriert und schnell gearbeitet. Alle habe zufriedene
Gesichter, winken uns zu und laden uns zum Essen ein. Dankend winken wir ab. Scherze fliegen hin und her, alle sind glücklich.
Von meiner Haustüre aus sehe ich vis a vis die Talibé beim Grillen von Fleisch. Sie sitzen still um den Grill herum, freuen sich und geniessen den Tag, an dem sie ihre Bäuche einmal so richtig füllen können. Bei mir im Haus ist es heute ruhig und still. Die Gäste sind ausgegangen und ich geniesse diesen Feiertag. Ich habe meinen Dienstmädchen frei gegeben. Es läutet an der Türe. Eines meiner Mädchen steht da und bringt uns eine grosse Schüssel mit gegrilltem Fleisch, Sauce und Frits. Sie wünscht uns ein schönes Fest und bittet uns um Verzeihung. Dies ist an diesem Tag üblich, die Leute grüssen sich und bitten einander um Verzeihung. Kurze Zeit später dann mein zweites Mädchen, welches mir ebenfalls eine Schüssel mit Hammelflesch bringt und mir ein schönes Fest wünscht. Ich bin ganz gerührt. 
Gegen 16h00 beginnen die Leute aus ihren Häusern zu kommen. Alle, vom Greis bis zum Baby tragen sie neue, festliche Kleider. All die vielen Farben, wunderschön. Die Menschen beginnen nun ihre Tour von Haus zu Haus. Sie besuchen Verwandte, Bekannte und Nachbarn, bitten einander um Vezeihung und müssen in jedem Haus einen Happen Hammelfleisch essen. Auch die Kinder gehen von Haus zu Haus und bitten um Bonbons und kleine Müntzen. Abends dann an jeder Strassenecke ein Fest bis weit in die Nacht hinein. 
Am andern Morgen immer noch zufriedene Gesichter. Einige leiden allerdings an Verdauungsstörungen. Das viele Fleisch fordert seinen Tribut. Bis zwei Tage nach dem Fest gibt es auf dem Markt keinen Fisch zu kaufen. Also wird weiter Fleisch gegessen. Wie freue ich mich am dritten Tag, endlich wieder Fisch auf dem Teller zu haben!Auch sonst ist nach dem Fest alles aussergewöhnlich still und die Stadt wie ausgestorben. Viele sind zu ihren Verwandten auf's Land gegangen und noch nicht zurückgekehrt. Ich geniesse die City ohne Staus und Gedränge, auch wenn die meisten Läden noch zu sind und die Märkte wie ausgestorben. Spätestens am Montag wird hier wieder alles normal laufen, wird die Stadt zu ihrem Alltag zurückkehren. 
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Auf den Strassen von Dakar...
Es ist höchste Zeit, dass ich Euch wieder einmal eine kleine Geschichte aus meinem alltäglichen Leben in Afrika erzähle. Diesmal möchte ich Euch erzählen, wie es auf den Strassen von Dakar zu und hergeht: In Afrika und natürlich auch in Dakar hat man das Gefühl als würden ein paar Jahrhunderte zugleich nebeneinander existieren.
Auf der zweispurigen Schnellstrasse, welche von ihrem Zustand her gut 120/130 km/Std. erlauben würde, tummeln sich Pferdekarren, von Hand geschobene Karren, Mofas, Fussgänger, Autos in allen denkbaren Zuständen und Jahrgängen. Man schlängelt sich durch alle diese „Verkehrsmittel“ durch. Die Ueberholspur wird hier keineswegs zum Ueberholen benutzt. Die Autos fahren, wo es ihnen gerade gefällt. So überholt man halt da wo es gerade frei ist: mal rechts, mal links. Ach ja, ohne Hupe wäre man hier verloren. Die wenigsten Fahrer benutzen den Rückspiegel, beim Ueberholen ist es daher empfehlenswert zu hupen. Wenn ich auf der Schnellstrasse ins Stadtzentrum fahre, denke ich oft bei meinen anarchistischen Ueberholmanövern an die Verkehrsregeln in der Schweiz. Wenn mich die Schweizer Polizei jetzt sehen könnte…. Dann das Stadtzentrum. In den kleinen Gassen der City gibt es sogar Trottoirs, diese werden jedoch als Parkplätze benutzt. Als Fussgänger schlängelt man sich dann halt neben den parkierten Autos und dem langsam fliessenden Verkehr durch die Menschen, welche kreuz und quer durch die Strassen gehen. Auch viele Verkaufsbuden aller Arten stehen am Strassenrand, eingequetscht in all den Autos, Lastwagen, Motorrädern, Mofas. Vom winzigen Tisch auf dem ein paar lokale Früchte und geröstete Erdnüsse feilgehalten werden bis zum blechernen kleinen Kiosk mit Zigaretten, Keksen, Kaugummis, Milchpulver, Nestkaffee in winzigen Plastikbeuteln und Zeitungen wird alles angeboten. Die Verkäufer sitzen daneben, die Beine ausgestreckt und lassen sich von dem Gewimmel in keiner Weise stören. An den Häuserfronten über den Köpfen oft summende Klimaanlagen, die ihr Kondenswasser auf die Strasse tropfen lassen. Zwischen all den Autos und Ständen Menschen, welche lang ausgestreckt mitten in dem Gewühl schlafen. Eine Bettlerin mit ihren Kindern, ein alter Mann, ein jüngerer Mann mit nur einem Bein. Überall spielende Kinder. Europäisch gekleidete Frauen in Minijupes, Jeans, oder in eleganten, teuren Kleidern, Männer in Kostüm, Krawatte. Jeans und T-Shirt sind auch in Senegal sehr beliebt und daher häufig anzutreffen. Aber es gibt auch die wunderschönen Boubous in kräftigen Farben, Frauen von Kopf bis Fuss eingehüllt in farbige Tücher, welche biblischen Gestalten ähneln, Juden mit ihren schwarzen Kleidern, den typischen Locken und Bärten, Marokkaner in schönen Kaftans, hin und wieder ein ganz in Indigo gekleideter, imposanter Tuareg mit Turban. Auch die typische Afrikanerin mit ihrem kustvoll gewundenen Kopftuch, ihrem farbigen Boubou, auf dem Rücken ihr Baby, fehlt nicht in dem Gewimmel. Dann die zerlumpten Talibes mit ihren Blechbüchsen, welche durch die Strassen streunen und betteln. Leute, die sich lauthals begrüssen, zuwinken, und plaudernd stehen bleiben, ohne sich um den Verkehr zu kümmern. Die Folge ist ein gewaltiges Hupkonzert, Geschrei. Der Verkehr bleibt stehen. Die zwei gehen nach einer Ewigkeit zur Seite. Langsam beginnen die Autos wieder durch die Strassen zu kriechen. Dicke Auspuffwolken nebeln einen schwarz ein. Der Transport von Waren wird meist auf dem Kopf bewerkstelligt. Ich begegne Menschen mit allen möglichen Lasten auf dem Kopf. Grosse Ballen zusammengebundener Stoffe, Plastikkübel in allen Grössen, in denen Fisch, Gemüse oder auch Wasser transportiert wird. Mädchen, die das Mittagessen für einen Verwandten in einer grossen Schüssel auf dem Kopf tragen. Ein junger Mann, der einige Holzbretter auf seinem Kopf gestapelt hat. Andere tragen auf diese Weise Kisten in allen Grössen. Unwahrscheinlich, was alles auf den Köpfen Platz hat. Dann die Schubkarren, welche oft schwer beladen durch das Gewimmel geschoben werden. Ganze Wohnungseinrichtungen werden auf diese Weise transportiert. Oft denke ich, dass das alles doch gar nicht Platz haben kann in diesen verstopften, Strassen der Innenstadt. Doch unbeirrbar wird weiter geschoben, gezogen und getragen. Mit den Autos ist es dasselbe: in den Kofferräumen werden unwahrscheinlich Dinge transportiert. Oft sieht es dermassen gefährlich aus, dass ich mich wundere, dass nicht mehr Unfälle passieren. Könnt Ihr Euch vorstellen dass ein ganzer Schrank in einem normalen Kofferraum transportiert werden kann? Auf den Gepäckträgern werden Ziegen und Schafe und manchmal auch Menschen befördert. Die Ladefläche leerer Lastwagen ist meist mit Menschen vollgestopft, die sich mehr oder weniger gut festhalten können. Hier scheint sich niemand grosse Sorgen bezüglich Sicherheit zu machen. Wenn dann wirklich etwas passiert, ist es von Gott gewollt. Mit dem Auto in Dakars Strassen zu fahren heisst vor allem, sehr viel Intuition zu haben. Man muss fühlen, was der Fahrer im Auto vor sich, neben sich und hinter sich als nächstes tun wird. Wenn ein Auto am Strassenrand steht, muss damit gerechnet werden, dass es einfach losfährt, ohne zu blinken oder auch nur auf den fliessenden Verkehr zu achten. Hierbei sind vor allem die Car Rapid und die Taxis Meister. Sie halten ohne Vorwarnung mitten auf der Strasse an, wenn sie einen Fahrgast am Strassenrand ausmachen. Kaum ist der Mensch eingestiegen, fahren sie weiter. Es ist am fliessenden Verkehr gelegen, nicht in sie hinein zu fahren. Auf Kreuzungen kennt hier niemand ein Einspuren oder gar ein Blinken, um die Richtung anzuzeigen. Der Blinker ist vor allem dafür gemacht, in einer Kurve die Richtung anzuzeigen. Auf Kreuzungen ist dies nicht üblich. Nach dem Motto vorwärts, vorwärts, immer nur vorwärts, stossen die Autos oft zu 3. oder 4. nebeneinander auf eine Kreuzung zu, wobei dann derjenige, welcher ganz rechst fährt, meist nach links abbiegen will und dies auch unbeirrt macht. Wenn der Verkehr stockt, kommt es niemandem in den Sinn, eine Passage freizulassen, damit der Gegenverkehr passieren oder nach links abbiegen kann. Jeder Zentimeter wird ausgenutzt um vorwärts zu drängen. Keiner macht sich die Mühe, weiter als bis zum Hinterteil seines Vordermannes zu sehen. Das ergibt dann oft auf Kreuzungen eine totale Pattsituation, bei der alle ineinander gekeilt, nicht mehr vor und zurück können. In solchen Fällen wird kräftig gehupt, geschimpft und sogar ausgestiegen, um seinem Aerger Luft zu machen. Oft dauert es eine kleine Ewigkeit, bis sich ein solcher Klüngel wieder aufgelöst hat. Wehe dem, der dabei mitten drin stecken bleibt. Trotz allem muss gesagt sein, dass selten auch nur ein Kratzer gemacht wird. Millimetergenau zirkeln die Autos aneinander vorbei. Oft denke ich, dass das doch gar nicht geht, dass nicht genug Platz vorhanden ist, doch dann geht es immer wieder, irgendwie. Wenn nach normalen Masstäben (was ist eigentlich normal?) nur zwei Autos nebeneinander Platz haben, ist es hier möglich, dass drei oder vier durchkommen. Dann die Fussgänger… Es gilt das Motto dass hier die Autos um die Fussgänger herumlenken müssen, und nicht etwa umgekehrt. Die Menschen laufen einfach über oder auf der Strasse, wie es ihnen gefällt. Kurz, Autofahren in Dakar heisst, viel Geduld und Umsicht zu haben. In der Fahrschule habe ich gelernt, dass man die Geschwindigkeit den Bedingungen und der Situation anpassen muss. Hier gilt dies wie nirgends sonst. Alles in allem würde ich sagen, dass in diesem Anarchistischen Strassenchaos nur Kreativität und schnelles Reagieren ein Vorwärtskommen möglich machen. Verkehrsregeln hin oder her. Ausserdem hupen, hupen, hupen. Ob ich wohl in der Lage sein werde, mich in der totalen Verkehrsordnung der Schweiz wieder zurecht zu finden? Soviel zu meinem täglichen „Kampf“ in Dakars Strassen. Fand ich das alles zu Beginn unübersichtlich, verwirrend und exotisch, so habe ich mich heute daran gewöhnt. In all dem Chaos gibt es auch immer wieder charmante und lustige Situationen. Handzeichen funktionieren total gut. Wenn ich mit der Hand aus dem Fenster zeige, dass ich abbiegen möchte, wird mir sofort Platz gemacht. Wenn ich nur blinke, muss ich stundenlang warten. Wenn ich die Fussgänger durchlasse, winken sie mir zu und bedanken sich. Jeder kommuniziert mit jedem, per Handzeichen. Natürlich muss ich auch die Polizisten grüssen, an denen ich vorbeifahre, denn sie kennen mich mittlerweile. Dafür bin ich auch nicht mehr von ihnen belästigt. Längst habe ich meine Stammparkplätze, wo ich immer einen Platz erwische. Dank der dort wartenden inoffiziellen Parkwächter, die mir dann auch noch für ein kleines Trinkgeld mein Auto waschen. Schon von weitem winken sie mir, dass sie einen Platz für mich haben. Wenn alles voll ist, wird einer gesucht. Service total. ;-))) Früher habe ich stundenlang in den Strassen der City einen Platz gesucht. Ich ertrage das Chaos mit Fassung und Geduld. Bis jetzt bin ich immer an mein Ziel gekommen. Manchmal mit Verspätung, weil alles verstopft, oder die Strassen gesperrt waren, da der Präsident seinen Ausgang hat und mit dem Auto unterwegs ist. Niemand regt sich darüber auf, allen geht es gleich. Insofern „bonne route“ und bis auf ein nächstes Mal.
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Amoul Solo!
Nun stehe ich da, am Hafen von Barra und schaue zu wie die letzte Fähre gerade vor meiner Nase abfährt. Was jetzt? Wir hatten uns so beeilt, doch leider ohne Erfolg. Ich blicke zu meinen beiden Begleitern hinüber, welche sich miteinander unterhalten. Da ist Amadou, der Chauffeur, welcher uns sicher und umsichtig von Dakar bis hierher fuhr und Aly, mein Bekannter aus Banjoul, der mich für ein paar Tage zu sich und seiner Familie eingeladen hat. Aly sieht mich an und lacht: „Wir werde schon eine Lösung finden! Amul solo! Warte hier!“ Er verschwindet im Gedränge, welches im Hafen gross ist und ich bleibe mit Amadou beim Wagen zurück. Die Dämmerung hat eingesetzt und es wird schnell dunkel. Kurze Zeit später kommt Aly in Begleitung von zwei jungen Burschen zurück. „Es fährt noch eine Pirogge nach Banjoul, Amadou bleibt beim Wagen und kommt morgen nach. Komm wir müssen gehen!“ Die jungen Männer schultern unser Gepäck und verschwinden im Getümmel. Schnell verabschiede ich mich von Amadou und versuche Aly zu folgen, was in der zunehmenden Dunkelheit und inmitten all der Menschen nicht einfach ist. Endlich kommen wir zu den Piroggen, welche mit dem Bug auf dem Strand liegen. Es sind riesige Schiffe, eine Art Kanu, vorne am Bug mindestens mannshoch. Sie werden zum Fischfang auf dem Meer benutzt. Wie um Gotteswillen soll ich denn da einsteigen? Hoch ragt der Bug vor mir in den nächtlichen Himmel. Ich bemerke, wie unsere Koffer in das Schiff gehoben werden. Diese jungen Fischer sind erstaunlich. Sie klettern behände und flink wie Seiltänzer auf den hohen Schiffswänden herum. Ich suche nach einer Möglichkeit in die Pirogge zu klettern. Da kommt einer der jungen Männer auf mich zu. Er lacht mich an: „amul solo!“ und geht vor mir auf die Knie, indem er mir bedeutet, dass ich mich auf seine Schulter setzten soll. Beherzt steige ich auf. Jetzt ist es mir ohne grosse Schwierigkeiten möglich, von diesen Schultern ins Boot zu steigen. Ausserdem werde ich von starken Händen empfangen, welche mich in die Pirogge heben. Nun noch ein gewagter Balanceakt zur Mitte des Bootes, wo ich mich erleichtert auf einen Platz an der Schiffswand setzte. Ja wirklich, es gibt scheinbar in Afrika immer irgendeine Lösung, amul solo! Erst jetzt habe ich Zeit, mich im Boot umzusehen. Es ist bereits voll gestopft mit Körben, Ballen, Koffern und Menschen. Frauen sitzen dicht zusammengedrängt mit ihren Kindern im Boot. Die meisten sehen ängstlich aus und beten ohne Unterlasse. Die Männer geben sich gelassener, plaudern und lachen. Es gibt jedoch auch einige, welche den Rosenkranz beten. Immer mehr Gepäck wird eingeladen, immer mehr Menschen kommen ins Boot und suchen sich einen Platz. Dann bemerke ich, dass keine neuen Passagiere mehr kommen. Wir scheinen bereit zur Abfahrt. Inzwischen ist es völlig dunkel geworden. Über den Rand der Pirogge kann ich am andern Ufer, weit entfernt, Banjuls Lichter sehen. Ich wollte, ich wäre schon dort! Durch das Gedränge beim Einsteigen, bin ich schmutzig und nass geworden. Auch im Boot selbst ist alles nass. Mir ist kalt. Die Passagiere sind leiser geworden. Nur noch das Gemurmel der Betenden ist zu hören. Ich überlasse mich meinen Gedanken. Heute habe ich einen richtig afrikanischen Tag erlebt. Dies begann schon mit der Abfahrt in Dakar, wo wir erst die Bremsen des alten Mercedes reparieren mussten, bevor wir losfahren konnten. Dadurch hatten wir mindestens drei Stunden Verspätung. Aly, mit seiner optimistischen Art hatte jedoch gemeint, dass dies überhaupt kein Problem sei. Amol solo, wir werden es schon schaffen. Dann die Schwierigkeiten unterwegs: schlechte Strassen, Umleitungen über Sandpisten, Polizisten, die uns aufhielten, langes Warten am Zoll, an der Grenze zu Gambia. Ich staune immer wieder, wie gelassen die Menschen hier mit den Widrigkeiten und Unvorhersehbarkeiten umgehen können. Sie sind sehr innovativ und kreativ im Lösen von Problemen. Auch lassen sie sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Sich im Moment auf eine Situation einlassen zu können, die Dinge zu nehmen wie sie sind, das ist für mich eine der grossen Stärken der Afrikaner. Ich schrecke aus meinen Gedanken auf. Die Menschen im Boot werden unruhig. Laute Rufe ertönen. Ich frage meinen Nachbarn was los ist. Er erklärt mir: „Die Fischer sind auf der Suche nach Benzin, amul solo“. Dann endlich kommen sie zurück. Sie tragen Kanister auf den Schultern, füllen den Tank und es kann losgehen. Die schwere Pirogge wird vollends ins Wasser geschoben und tuckert langsam im Rückwärtsgang ins freie Gewässer, wo sie wenden kann. Dann heult der Motor auf, und wir fahren mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf die Mündung des Gambia hinaus. Im offenen Gewässer sind die Wellen hoch. Durch das Auf und Ab der Pirogge bekommen die Menschen Angst. Da nur wenige schwimmen können, muss diese Fahrt für die meisten ein Horrortrip sein. Die Frauen beginnen laut zu jammern oder zu beten. Auch viele Männer beten. Kinder weinen. Eine junge Mutter neben mir schaut mich mit flehenden Blicken an. Sie hat zwei kleine Kinder bei sich, kann aber nur das Baby auf dem Schoss halten. Das grössere klammert sich an sie und weint jämmerlich. Ich nehme die Kleine auf den Schoss und versuche sie zu beruhigen. Die Mutter schaut mich dankbar an. Unbeirrt pflügt sich unser Boot durch die Wellen. Endlich habe ich den Eindruck, dass die Lichter unseres Ziels näher kommen. Dann der knirschende Sand unter dem Bug, wir kommen mit einem Ruck zum Stehen. Sofort stehen alle auf und versuchen eilig vom Boot zu kommen. Es gibt ein grosses Gedränge und Geschubse. Die Fischer schreien laut Befehle und beginnen das Gepäck auszuladen. Auch die Passagiere beginnen zu lamentieren. Nach der verhaltenen, angstvollen Ruhe an Bord bricht die Lebendigkeit mit voller Kraft durch. Ich habe immer noch die Kleine auf meinen Armen. Aly ist einer der Ersten, die auf dem sicheren Sand stehen. Er kümmert sich um unser Gepäck. Ich gehe langsam und vorsichtig mit der Kleinen zum Bug. Sie klammert sich an mich und hat grosse Angst. Ihre Mutter ist vor mir und schaut immer wieder zurück. Sie hat jetzt ausser dem Baby auch noch ihr Gepäck in der Hand. Die Fischer helfen ihr vom Boot. Dann wird mir das Kind abgenommen und seiner Mutter nachgereicht. Ich stelle mich auf den Rand des Bootes und sehe tief unter mir den Boden. Die Luft anhaltend, lasse ich mich fallen. Endlich wieder festen Boden unter den Füssen! Ich gehe zu Aly, der beim Gepäck auf mich wartet. Mit den Koffern beladen gehen wir auf die ersten Häuser von Banjul zu. In den Strassen gibt es keine Strassenlampen. Nur aus den Hauseingängen fällt ab und zu Licht auf unseren Weg. Aly geht, obwohl schwer beladen, sehr schnell, ich habe Mühe, mit ihm Schritt zu halten. Weit vor uns sehe ich jetzt Licht. „Wenn wir dort sind, können wir uns ein Taxi nehmen!“ ruft mir Aly zu. Aus einer kleinen Nebenstrasse kommt eine Gruppe junger Männer und folgt uns. Meine ganzen Sinne sind nach hinten gerichtet. Werde ich nächstens überfallen? Ich drehe mich um und schaue der Gruppe entgegen. Sie verlangsamen ihre Schritte, bleiben etwas zurück. Inzwischen ist Aly bereits auf der hell erleuchten Strasse angekommen. Ich sehe, wie er um die Ecke biegt und verschwindet. Ich versuche noch schneller zu gehen. Die paar Meter bis zur Strasse scheinen mir Kilometer. Wieder schaue ich zurück, meinen Verfolgern direkt ins Gesicht. Einer von ihnen hebt die Hände, lacht mich an und ruft mir zu: „Amul solo!“ Dann endlich habe ich es geschafft. Ich entdecke Aly, der bereits mit einem Taxi verhandelt. Erleichtert lasse ich mich in die Autopolster fallen. Ich bin erschöpft und nass und fühle mich ausgesprochen schmutzig. Mein einziger Wunsch ist es jetzt, so schnell wie möglich unter eine Dusche zu kommen, in ein Bett zu fallen und zu schlafen.

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Zwischen zwei Welten

Zwei Monate in der Schweiz, das ist erst mal wunderschön. All das viele Grün, die Seen, die Berge.... Nachdem ich nun bereits vier Jahre in Senegal lebe, sehe ich das alles, als ob es das erste Mal wäre. Und doch..... Alles ist vertraut, bekannt.... Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Überall, wo ich auch bin, kommen Erinnerungen hoch. Erinnerungen an ein Leben das ich einmal gelebt habe. Viele fragen mich, ob ich nicht lieber wieder in der Schweiz leben würde? Die Antwort ist gar nicht so einfach. Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit meinem neuen Leben in Afrika. Nur manchmal, wenn ich ob der typischen Schwierigkeiten, mit denen ich mich hier in Senegal herumschlage, nerve, denke ich an die Schweiz. Und schon bin ich mitten drin in meinem Leben zwischen den Welten......
Die ersten Tage in der Schweiz standen unter dem Zeichen eines kleinen Kulturschocks. Alles ist so sauber, wohl geordnet, die Geschäfte überladen mit Angeboten, in der Stadt überall Automaten, die es zu benützen gilt, Abfallkörbe und Aschenbecher an jeder Ecke, im Restaurant brauche ich einen Code, um auf die Toilette zu gehen...... Ich bin überfordert, die ersten Tage in „meiner“ Stadt. Das Gefühl, sich nicht auszukennen, fremd zu sein und gleichzeitig diese Vertrautheit..... Ganz schön verwirrend, mir schwirrt nach spätestens zwei Stunden der Kopf. Es ist kurios, wenn ich in einwandfreiem Berndeutsch jemanden um Hilfe bitte, benötigt eine Erklärung. Wie z.B. die Situation im Parking der Migros, kein Schlagbaum, kein Ticket das ich ziehen muss, dafür ein Automat beim Lift. Ich sehe dass die Leute sich dorthin begeben, bevor sie in den Lift steigen. Also machte ich es ihnen gleich. Erstes Problem: ich hätte mir die Nummer des Parkplatzes merken sollen! Also nochmals zurück zum Wagen, Nummer merken, wieder zum Automaten. Nummer eingetippt, der Automat sagt mir, dass ich bezahlen soll, doch nicht wie viel. Wie kann ich das denn jetzt wissen? Ich stehe wie der Esel vor dem Berg. Sehe mich um, eine nette Frau steht hinter mir und schaut mir zu. Ich bitte sie um Hilfe, natürlich auf Berndeutsch, daher erkläre ich auch, dass ich einige Jahre nicht in der Schweiz gelebt hatte. Sie lacht, sagt, das Parking ist die ersten 1 ½ Stunden gratis, sie drücken einfach auf o.k. dann hat sich das Ganze. Dann meint sie, dass auch sie mit all den Automaten und Knöpfen, die es heute zu betätigen gilt ihre liebe Mühe habe. Bei mir denke ich, dass es für alte Leute sicher noch schwieriger sein muss. Fühle mich alt, out, dumm.
Dann der erste Einkauf in der Migros. Ich stehe vor den Auslagen bei Gemüse und Früchten. Diese Vielfalt! Vieles habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Ich stehe da und staune, kann mich nicht entscheiden, was ich nehmen soll. Will mir Zeit lassen, werde dabei angerempelt, zur Seite geschoben, stehe im Weg. Die Menschen hasten durch das Geschäft, werden ungeduldig, sind unfreundlich. Ich fühle mich total fehl am Platz. Unmöglich eine Ecke zu finden, in der ich mir in aller Ruhe die Auslagen ansehen kann. Das Gleiche beim Fleisch, Käse, in den anderen Abteilungen. Ich werde hastig, nehme ohne zu wählen, versuche so schnell als möglich raus zu kommen. Die wichtigsten Dinge kann ich kaufen, den Rest lass ich bleiben. An der Kasse will ich ein T-Shirt der Verkäuferin direkt geben, es nicht aufs Band legen, löse dabei den Alarm aus. Wieder ein paar Sekunden Stress. Dann die Eile mit der ich meine gekauften Sachen einpacken muss. Der Einkauf des nächsten Kunden wird schon in mein Fach runtergelassen, der Kunde steht ungeduldig hinter mir, will einpacken. Ich verschwinde so schnell als möglich, atme auf, als ich draussen bin. Wenn ich in Dakar in den Supermarkt gehe, ist alles sehr viel gemütlicher. Meistens hat es nicht viele Leute, ruhig und gemütlich schieben die Kunden die Einkaufswagen durch die Gestelle. An der Kasse wird mein Einkauf von einem Angestellten aufs Band gelegt, der packt dann auch gleich alle Waren säuberlich ein, schiebt meinen Einkaufswagen bis zum Auto auf dem Parkplatz, lädt alles ins Auto ein und schiebt den Einkaufswagen weg, nachdem er ein kleines Trinkgeld erhalten hat. Ich brauche nur noch ins Auto einzusteigen und nach Hause zu fahren.
In den Strassen der Stadt die Leute. Sie hasten, haben es eilig. Ich sehe sehr wenige Gesichter lachen. Ich schlendere durch die Stadt, sehe mir die tollen Schaufenster an. Was es da alles zu kaufen gibt! Ab und zu gehe ich in ein Geschäft hinein. Dann setzte ich mich in ein Strassenkaffee. Ich möchte gerne zu meinem Kaffee ein Glas Wasser. Für dieses kleine Glas Leitungswasser verrechnet man mir 2.00 Fr. Dabei hat die Schweiz doch eigentlich aktuell sogar zu viel Wasser!? Die Matte ist überschwemmt, die Aare ist mindestens 3 mal so breit und fliesst durch die Strassen. Sicher, es geht um Geld, um Einnahmen. Aber ein Glas Wasser zu einem Kaffee? Etwas, das mich im Senegal so beeindruckt: niemandem wird Wasser vorenthalten, das bekommt man überall und erst noch gratis. Dabei ist es hier wirklich nicht selbstverständlich, vielleicht gerade deshalb? Während ich im Strassenkaffee sitze, denke ich an Dakar, vergleiche. Dort wäre es unmöglich, sich an einen Tisch mitten auf der Strasse zu setzten. Sofort wäre Frau umringt von Händlern, Bettlern, die nicht locker lassen würden, bis ich Geld rausrücke. Daher sind die Kaffees abgeschirmt, von Mauern umgeben. Wächter stehen am Eingang und hindern die Bettler am Eindringen. In Dakar kann ich auch nicht gemütlich durch die Strassen schlendern. Ständig muss ich dankend ablehnen, die Händler, die Bettler abwimmeln. Daher geniesse ich die Fussgängerzonen in der City. Keine Autos, richtig gemütlich! Einzig gefährlich sind die Fahrräder, welche ich als sehr rücksichtslos erlebt habe. Beeindruckend auch die Fussgängerstreifen: Ich bin noch nicht mal am Randstein, schon halten die Autos an! Welche Disziplin! Es macht Spass, ich freue mich darüber. Muss natürlich selber auch halten, wenn ich hinter dem Steuer sitze. Der neue Bundesplatz, diese Choreographie der Springbrunnen, daneben nur ein leerer Platz. Bei schönem Wetter sitzen die Menschen am Boden, sehen den Kindern zu, wie sie nackt durch das Wasser rennen. Auch das wäre in Dakar unmöglich. Ich empfinde dieses Bild als Luxus, geniesse es ausführlich, sehe mich an dieser friedlichen Szene satt.
Richtig, ich habe während meinem Aufenthalt in der Schweiz meine beiden Leben ständig verglichen. Eigentlich ist das gar nicht möglich. Die zwei Länder sind so total verschieden: Die Sauberkeit in der Schweiz, all der Dreck in Dakars Strassen; disziplinierte Autofahrer oder Fussgänger in den Strassen von Bern, in Dakar das reine Chaos; in der Stadt geht jeder für sich, keiner kümmert sich um den andern, in Dakar wird ständig gegrüsst, alle reden mit allen; mit welchem Schweizer Polizisten könnte ich über eine Busse verhandeln und diese vermeiden, indem ich ihm etwas Geld gebe? Beide Leben haben ihre Vor- und Nachteile. Schwierig für mich, zu entscheiden wo es besser ist. Ich habe Senegal gewählt. Dies ist im Moment mein Zuhause, hier fühle ich mich auch wohl. Eines weiss ich jedoch gewiss: ich kann Euch nicht wirklich sagen, wo es besser ist zu leben.......

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Skooter, Skooter, oh la la !!!
Ja richtig, ich fahre Skooter! Die Anlaufzeit war etwas lang und schwierig. Ist es doch schon recht riskant mit dem Auto in Dakar herumzufahren, so hatte ich eigentlich Angst mich auf einen Skooter zu setzten. Ausserdem ist da auch noch der viele Sand, der auf den Strassen liegt. Sand auf einer Teerstrasse ist wie Schnee auf den Strasse bei uns. Unvermittelt beginnt man zu schlingern und muss den Skooter auffangen. Dazu braucht es Kraft und vor allem Reaktion. Ich stellte mir das richtig riskant vor. Also liess ich es immer wieder bleiben. Dabei steht ein richtiges Bijoux in meiner Garage. Er sieht aus wie eine Vespa, hat jedoch keine Gangschaltung. Gas geben und bremsen, damit hat sich’s. Eigentlich keine Zauberei? Na ja, für mich und meine alten Knochen ist dieses Möbel schwer. Nur alleine schon den „deux rouls“ auf den Ständer zu stellen ist ein Kraftakt für mich. Nun haben wir seit etwa sechs Monaten enorme Verkehrsprobleme in der City. Alle grossen Hauptstrassen sind im Moment gesperrt, weil riesige Bauarbeiten im Gange sind. Unser Präsident will noch schnell für die Neuwahlen nächstes Jahr die ganze Stadt umbauen. Es soll tolle, moderne Strassen mit Unterführungen und Brücken geben. Alles vom Feinsten. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Nur, dass jetzt eine Fahrt mit dem Auto in die Stadt statt 30 Minuten etwa 2 Stunden dauert. Mit dem Skooter ist das immer noch in 30 bis 40 Minuten zu schaffen. Also habe ich mir einen Stoss gegeben und mich auf dieses Ding gesetzt. Und siehe da, es macht mir sogar Spass! Eine andere Welt hat sich mir aufgetan, es ist wirklich spannend. Wenn ich mich durch den Verkehr schlängle habe ich viel mehr Kontakt zu den Leuten. Sie lachen mir zu und sind sehr zuvorkommend. Da muss ich auf einer Kreuzung wie alle Verkehrsteilnehmer anhalten. Natürlich mache ich es wie alle andern Skooterfahrer, ich fahre bis ganz nach vorne an die Kolonne. Der Polizist der den Verkehr regelt schaut mich kritisch an. Ich habe aber nichts falsch gemacht. Trotzdem kommt er auf mich zu und sagt mir: Madame, das ist ein sehr schöner Skooter, geben sie ihn mir. Ich lache, bedanke mich für das Kompliment, sage ihm dann, selbstverständlich, ich gehe dann gerne zu Fuss die restlichen 20km bis in die Parcelles. Er schaut mich an und lacht. Dann meint er, dass das wohl zuviel verlangt sei und lässt er mich weiterfahren, obwohl der Rest der Kolonne noch warten muss. Jedes Mal wenn ich ihn wieder treffe, grüsst er mich, lacht mir zu und lässt mich vor allen andern passieren. Ich will in das Büro der Versicherung. Vor dem Haus ist der Platz gekachelt. Als ich wieder wegfahren will, schaffe ich es nicht den Skooter vom Ständer zu nehmen. Er rutscht einfach auf dem Ständer weiter, da die Kacheln keinen Widerstand bieten. Ich versuche es einige Male, dann muss ich atemlos innehalten. Die Wächter vor dem Haus lachen mir zu. Einer steht auf um mir zu helfen. Dann sagt er: aber Mama, Du bist doch zu alt für einen Skooter. Warum fährst Du denn nicht mit einem Auto. Hast Du keine Probleme mit dem Luftzug auf dem Roller? Deine Knochen sind doch zu alt und Du bekommst dann Rheuma. Ich bin ehrliche gesagt etwas schockiert, denn sooooo alt fühle ich mich nun wirklich nicht! Ich weiss aber auch, dass hier das Alter sehr geehrt wird und diese Aussage sehr wohlwollend gemeint ist. Daher zwinge ich mich zu einem Lachen, sage, dass es mir viel Spass macht und fahre los.
Oft gehe ich mittags ins Schwimmbad. Dann lasse ich meinen Skooter direkt gegenüber dem Eingang, unter den Augen des Wächters. Dieser freut sich immer, wenn ich komme: Bringst Du mir mein Bijou wieder? Ich werde gut auf ihn aufpassen. Wenn ich dann wieder wegfahren will, sagt er mir, dass er meinen Skooter vermissen werde, da der jetzt sein Freund geworden sei. Wenn er mich ohne Skooter sieht, ruft er mir zu: wo ist mein Freund?
Wenn ich in die Bank am „place de l’independace“ gehen muss, gebe ich meinen Skooter in die Obhut von einigen Bettlern. Dafür gebe ich ihnen immer ein wenig Geld. Sie kennen mich nun und kommen sofort, um auf meinen Roller aufzupassen. Dann war ich in der Bank während es zu regnen anfing. Der Regenschauer war kurz und heftig. Mist, werde einen total nassen Skooter vorfinden, denke ich. Zu meinem Erstaunen ist mein Skooter jedoch total trocken. Die Bettler lachen, sie haben ihn in meiner Abwesenheit mit einem grossen Karton zugedeckt. Welch ein Service! Als ich mich freue, sind sie ganz glücklich. Natürlich gebe ich ihnen auch ein entsprechendes Trinkgeld. n den letzten 4-5 Wochen bin ich nun leider nicht mehr viel mit meinem Skooter gefahren. Dafür hat es zu viel geregnet und die Strassen sind voller Wasser und Schlamm. Auch wird jetzt sehr viel Sand auf die Strassen geschwemmt, so dass ich es vorziehe, wieder mit dem Auto unterwegs zu sein. Ich freue mich aber schon auf die Zeit nach der Regenzeit, wenn ich wieder mit meinem kleinen Bijou herumflitzen kann. Ich kann auf diese Weise viel mehr erledigen, bin schneller an Ort und Stelle und habe dazu noch ganz viel Spass.

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